Rollenrevolution für Ansitzangler

13.04.2016 - von Carsten Zeck - 

In den letzten Monaten hat im Hause Zeck Fishing ein Projekt besonders viel Zeit in Anspruch genommen: Die Entwicklung eines eigenen Rollentyps!



Comeback der Multirollen 
Trotz stetiger Vergrößerungen und qualitativen Verbesserungsmaßnahmen im Sektor der Stationärrollen feiert die Multirolle zurzeit bei vielen Walleranglern ein Comeback. Die große Schnurfassung und das mühelose Auslegen ohne Schnurdrall über die Bremse sind beim Stellfischen enorme Vorteile, die keine Stationärrolle bietet.

Nachteile herkömmlicher Multis
Im Vergleich beider Rollentypen stehen diesen Vorzügen aber auch einige Nachteile gegenüber:

Problem Nummer 1 / Stabilisierung: Mit großen Multirollen gestaltet sich das Drillen sehr unangenehm, da sich das Rollengewicht oben auf der Rute befindet und man diese beim Kurbeln permanent stabilisieren und fest umgreifen muss, damit sie sich nicht verdreht. Meeresangler umgehen dieses Problem in der in der Regel mit einer Kreuz-Schlitz-Abschlusskappe an der Rute und einem Kampfgurt.
Dreht man die Rute bei Wallerdrills so, dass sich die Multirolle unten befindet, lässt sich die Rute zwar wesentlich besser greifen; jedoch muss man rückwärts kurbeln, was sehr ruckelig ist.

Problem Nummer 2 / fehlende Schnurverlegung: Leider fehlt bei allen Multirollen, die aktuell auf dem Markt erhältlich und für Welsangler interessant sind, eine stabile Schnurführung, die dafür sorgt, dass die Schnur sauber auf der Spule verlegt wird. Der Daumen, der Hand mit der der man die Rute umgreift, muss diese Funktion übernehmen. Wenn schnell Schnur aufgenommen werden muss, zum Beispiel beim Flussauf-Spannen oder bei der Verfolgung eines Fisches mit dem Boot, bekommt man mit einer Multirolle oftmals Probleme. Da solche Situationen jedoch häufig vorkommen, meiden viele Welsangler aus diesem Grund die Verwendung von Multis.

Problem Nummer 3 und 4 / der oftmals geringe Schnureinzug: Viele Multirollen besitzen nur einen geringen Schnureinzug, was das Einkurbeln ebenfalls sehr erschwert. 

Problem Nummer 4 / Rechtshand-Modelle: Die besten auf dem Markt erhältlichen Multirollen, die für Wallerangler interessant sind, gibt es ausschließlich als Rechtshand-Modelle. Das heißt, dass mit der linken Hand die Rute gehalten und mit der rechten Hand gekurbelt werden muss. Das ist für Rechtshänder natürlich sehr ungewohnt und trägt nicht gerade zu einem guten Handling bei.


Die Idee
Aufgrund der genannten Probleme entstand bei mir bereits vor längerer Zeit die Idee, sämtliche Vorzüge von Multi- und Stationärrollen in einem Modell miteinander zu vereinen und gleichzeitig alle Nachteile beider Typen zu beseitigen. Nun habe ich mit Zeck Fishing die Möglichkeit als erster deutscher Angelgerätehersteller seit vielen Jahren wieder eine komplett eigens entwickelte Rolle auf dem Markt zu bringen und damit meine Idee in die Realität umzusetzen. Ich habe an einen „Hybriden“ gedacht; genauer gesagt an eine hängende Multirolle. Klar gab es ähnliche Versionen bereits; beispielsweise im Bereich des Speedjiggens. Auch dort haben sich einige Hersteller schon Gedanken gemacht, wie man herkömmliche Multirollen für moderne Angeltechniken verbessern kann. Jedoch gibt es noch kein Modell, das wirklich für Welsangler geeignet ist. Die Kompromisse, die wir Wallerangler bei Stationär- und Multirollen zurzeit eingehen müssen, sollen mit unserer neuen Rolle erstmals aus dem Weg geräumt werden. Eine alternativlose Rolle für ambitionierte Ansitzangler soll entstehen.


Die Umsetzung
Wie bereits angedeutet, möchten wir mit der HR 20 (der Name steht für Hybrid-Reel) neue Maßstäbe setzen. Da wir ein solches Projekt nur gemeinsam mit fähigen Partnern umsetzen können, hat die Vorauswahl der herstellenden Fabrik bereits sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Wir haben dazu die besten Rollenfabriken der Welt besucht, um einen geeigneten Produzenten auszuwählen. Danach wurden in einem separaten Vor-Ort-Termin sämtliche Details mehrere Tage lang mit erfahrenen Rollenbau-Ingenieuren besprochen und parallel die Zeichnungen angefertigt. Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut, um die Anfertigung der ersten Muster in Auftrag zu geben. Diverse Werkzeuge mussten sogar eigens für die Prototypen-Entwicklung hergestellt werden. Die Bilder zeigen einen von insgesamt sechs Prototypen in der Endphase im noch unlackierten Zustand. Passend zu meinem persönlichen Saisonstart habe ich die Erstmuster voraussichtlich Ende diesen Monats vorliegen.
 

Die Testphase - keine Gnade und größtmögliche Transparenz 
Wann wir mit dieser Rollenrevolution auf den Markt gehen, entscheiden die Praxistests. Da wir ein absolut ausgereiftes Produkt in den Handel bringen möchten, haben wir uns keine Deadline für die Entwicklungsphase der HR 20 gesetzt.


Aktueller Stand (07.06.2016)



Nachdem die Rolle nun bereits mehrmals im Praxiseinsatz war, kann ich schon mal ein erstes Resümee ziehen: Die Funktionen, die eine Rolle beim Welsangeln hat, werden durch die HR 20 in einem noch größeren Maße verbessert, als ich es vermutet hätte - und das alles, obwohl die Messlatte von Anfang an sehr hoch lag.

Die Eierlegende Wollmichsau für Welsangler im Rollensektor ist geboren. Doch - und jetzt kommt's - wir sind noch nicht zufrieden damit!
Das Projekt ist so faszinierend und hat so viel Potential, dass es einfach zu schade wären, wenn wir die Zeck Fishing HR 20 bereits in 2016 releasen würden. Genauer gesagt soll in den nächsten Jahren, Schritt für Schritt und deutlich früher als zunächst geplant, eine ganze Rollenserie entstehen.
Je nach Einsatzzwecke sollen Hybrid-Rollen mit unterschiedlichen Eigenschaften in unterschiedlichen Preiskategorien im Handel erscheinen. Auf diese Art und Weise wollen wir sowohl absolute Tackle-Fetischisten begeistern, die nur das Beste vom Besten möchten, als auch leidenschaftliche Vollblut-Welsangler, für die auch das Preis/Leistungsverhältnis eine nicht untergeordnete Rolle spielt.

Wie geplant wird die HR 20 unser erstes Modell sein und den Weg für eine Rollenrevolution ebnen; da bin ich mir ganz sicher. Um mit unserem Projekt ein deutliches Signal setzen zu können, werden wir die Eigenschaften der HR 20 leicht abändern. Ähnlich wie unsere Ruten wollen wir unsere erste Rolle in einem Preis-Segment ansiedeln, das für sehr viele Angler noch erschwinglich ist. Die Funktionalität und Stabilität wird natürlich nicht unter unserer Entscheidung leiden. Wir liegen gut im Zeitplan und streben einen Erscheinungstermin im Frühjahr 2017 an.

Mehr Informationen folgen in Kürze!

Euer Carsten