U-Pose vs. Treibholz

26.03.2015 - von Robin Dörr - 

Ein dramatisches Hochwasser überraschte mich bei meiner Rückkehr an den Rio Ebro und seinen Flussläufen. Ganze Stadtteile und Ortschaften standen unter Wasser, als ich die 1400 Kilometer von Deutschland in meine neue Heimat hinter mich gebracht hatte. Jeder von euch kennt vermutlich das Gefühl am Anfang einer jeden Saison, wenn es einen im zeitigen Frühjahr in den Fingern juckt und man voller Tatendrang seine neuen Ideen und Vorstellungen am Wasser in die Tat umsetzen möchte. Ein idyllisches Frühlingserwachen hatte ich mir jedenfalls anders vorgestellt.

An originellen Ideen mangelte es sicherlich nicht, wohl eher am Wasserstand, welchem ich etwas ungläubig gegenüber stand. Etwa 80% meiner bisher bekannten Locations konnte ich auf gut Deutsch gesagt abheften. Es galt nun also die restlichen 20% nach deren Möglichkeiten zu prüfen oder neue Pfade zu entdecken. Meine Abenteuerlust war sofort wieder da und ich entschied mich für Möglichkeit Nummer 2.

Wenn das Beißverhalten der Köderfische auch dem der Frühjahrswaller wiederspiegelt, werde ich die kommenden Tage eine sehr gute Zeit haben. Ich fing in Kürze schöne Karauschen mit welchen ich in jeder Blinker-Hitparade unter den Top 5 wäre. Die Zeit hier unten vergeht wie im Flug, besonders wenn man den ganzen Tag das tun kann, was man liebt und für dessen Leidenschaft man brennt. Im Nu würden die ersten Gäste auf mich warten, also ließ ich keinerlei Zeit verstreichen und machte mich sofort nach Ankunft und Ausladen auf den Weg. Mit im Gepäck: Neues Tackle von Zeck Fishing, welches mir Carsten zum ausgiebigen Testen mitgegeben hat. Darüber bin ich sehr froh. Für die neuen U-Float Solid hatte ich gleich eine Verwendung. Zusammen mit einem Kombirig sollte diese Methode bei dieser Situation das Mittel der Wahl sein. Jegliche andere Art der Köderpräsentation wäre völlig wirkungslos, da sich Unmengen von Holz den Flusslauf hinab bewegten. Aus diesem Grund war die ufernahe Fischerei im Moment kaum möglich. Das noch recht kalte Schmelzwasser von den Bergen führte halbe Wälder mit sich hinunter. Ich hatte nicht vor, tagelang am Stück durchzufischen. Mein Plan war es, an den heißen Zeiten am Abend an möglichst vielen Plätzen meine Köder anzubieten und ohne großes Aufsehen wieder zu verschwinden.

Lasst euch nichts erzählen was die Beißzeiten und Standplätze der Waller angehen. Viele schwören darauf tage- und wochenlang ihre Leinen permanent im Wasser zu lassen. Lasst euch aus Erfahrung sagen: Dies schafft nur Unruhe an einem guten Platz! Wenn Ihr an einem erfolgversprechenden Platz fischt und eure Köder zwischen 18.00 und 01.00 Uhr perfekt präsentiert sind, so sollte die ersten zwei Tage ein guter Fisch auf der Matte liegen. Ist dies nicht der Fall, könnt Ihr diesen Platz in der momentanen Situation getrost vergessen und euch effektiveren Plätzen zuwenden. Dies gilt ausdrücklich nur unter gleichbleibend guten Bedingungen!
Starke Luftdruckveränderungen, einhergehend mit großen Temperaturschwankungen, massive Wasserstandsveränderungen und Mondphasen unberücksichtigt. Dies ist ein komplettes Thema für sich. Was ich damit sagen will: Es ist beim besten Willen nicht notwendig, dass ihr euch immer ein riesiges Zeitfenster einräumen müsst um erfolgreich auf Waller zu fischen. Reduziert euer Tackle auf das Wesentlichste, bleibt flexibel, seid oft am Wasser und fischt zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Selbstverständlich fängt man auch zu sämtlichen Mittagszeiten ab und an einen guten Waller. Wenn man jedoch seine Energie und seine freie Zeit auf die aktiveren Zeiten verlegt, hat man mehr Erfolg.

Was die Standplätze und insbesondere die Standorttreue der Waller angeht, so kann ich sagen, dass der Großteil der alten und schweren Fische keine riesigen Entfernungen mehr zurücklegt und sie immer wieder in ihr Territorium zurückkehren. Von wem sollen Sie denn auch vertrieben werden? Diese Fische haben keine natürlichen Feinde mehr – nur noch uns. Ein guter Platz welcher von Strömungen und Futterfischaufkommen wimmelt, wird meist schnell von einem guten Fisch beschlagnahmt. Diese Standplätze können oft sehr eng abgesteckt sein.

Ich war in den nun folgenden Tagen dazu gezwungen meine Hauptschnüre umzulenken/abzusenken, um sie vor dem ganzen schwimmenden Geröll zu schützen. Hochrückige Köder die zudem noch recht groß sind, tun sich in der harten Strömung erfahrungsgemäß eher etwas schwer. Schlankere Döbel in den Längen um die 25 cm sind in solchen Situation meist die ideale Wahl.

Das Ergebnis meiner ersten Frühjahrstour kann sich meiner Meinung nach wieder sehen lassen: 4 Angeltage verbrachte ich an 3 verschiedenen Plätzen, darunter 1 Tag welcher keinen Fisch brachten. Aber wie hatte ich vorhin erwähnt, die Bedingungen drum herum spielen einem entweder in die Taschen oder eben nicht. In Anbetracht der Hochwassersituation und des noch immer kalten Wassers konnte ich 11 Welse überlisten, darunter gleich am ersten Abend einen Fisch von 2,26 m.  

Einige Fehlbisse musste ich natürlich wegstecken. Mit dem Herabsetzen des Reißleinendurchmessers auf das Minimum wurden die stellenweise zaghaften Bisse der Waller aber doch wieder direkt „bestraft“. Die neuen U-Posen konnte ich auf jeden Fall ausgiebig testen. Sind sind absolut robust und praxistauglich. Jedes andere Styropormodell der Mitbewerber wurde in vergleichbaren Situationen zerstört – und ich habe bereits sehr viele davon besessen. Jedenfalls bin ich bestens zufrieden mit diesen Teilen und wenn ich es nicht wäre, würde es hier auch nicht stehen.

Wichtig ist, sich nicht von Ideologen vereinnahmen zu lassen, sondern aus eigenem Antrieb ans Wasser zu gehen und seine Pläne in die Tat umzusetzen. Denn nichts schafft dauerhaft so viel Motivation wie selbst erarbeiteter Erfolg!

Bis bald,
Euer Robin

www.ebro-waller.com