Dschungelfieber

24.01.2015 - von Andreas Knausenberger - 

Wie ein Wels mit 200 Kilo und drei Metern Länge? Wo? Was? Wie? Da müssen wir hin! Piriabia, der Goliath Catfish, das Monster aus dem Dschungel! Ja Mann! Genau das hatten wir gesucht... Als alter Welsangler war das Interesse natürlich groß und als ich Carsten Zeck anrief und Ihn fragte ob er nicht mitkommen wolle, war er klar dass wir nach Suriname fliegen würden!

Blicke ich auf die vergangene Expedition zurück so überkommt mich ein breites Grinsen... Hatte doch alles so chaotisch angefangen. Carsten hatte sein Zeitmanagement nicht wirklich im Griff und so wurde aus dem Plan bei meinen Eltern zu nächtigen und gemeinsam nach Stuttgart zu fahren, eine "ich muss noch schnell um 3 Uhr nachts auf dem Weg zum Flughafen tanken und dann mit 200 Sachen durch die Nacht heizen um rechtzeitig anzukommen" Nummer. Egal wir hatten es gerade so zum Flug nach Amsterdam geschafft und waren alle, trotz wenig Schlaf, gut drauf. Der große Hammer kam dann aber in Amsterdam. Unser Flieger nach Suriname war kaputt und stand in Suriname auf dem Airfield zum Reparieren... Geil! Was nun? Zehn Stunden später und ein paar Euro ärmer, hatten nicht erwartet in Amsterdam City für eine Pulle Wasser 8€ hinblättern zu müssen, ging es dann in einem alten 747 Hobel ab nach Südamerika.

Welcome to the jungle!

Mitten in der Nacht erreichten wir Paramaribo und nachdem wir durch Zoll und die Visastelle ohne Probleme durchgekommen waren, ging es dann mit einem kleinen Bus direkt weiter. Wir hatten inzwischen jedes Zeitgefühl verloren und fuhren durch die dunklen Straßen in Richtung Westen. Dann ein kurzer Zwischenstopp mit Fahrzeugwechsel und weiter ab in die Dunkelheit. Dann auf einmal ging die Karre aus... Rote Lichter blinken im Armaturenbrett... Nicht gut...

Wir standen mitten im nirgendwo, umzingelt von bellenden Straßenkötern und versuchten die Kiste wieder zum Laufen zu bekommen. Irgendwie gab es ein Problem mit der Batterie und nach einigem Rumgefummel lief die Schüssel wieder. So ging es noch ein paar Mal bis wir dann im Morgengrauen an der Grenze zu Guyana standen. Ein riesiger Fluss lag vor uns und die aufgehende Sonne tauchte die ganze Szene in ein mystisches goldorange. Na da war der Stress doch gleich vergessen. Wir luden die Karre aus und schleppten unser Equipment zum Bootssteg wo Paul bereits das Boot vorbereitete. Schnell eingeladen, das Sonnendach hielten wir für unnötig und ließen Paul wissen, dass wir doch harte Hunde wären und unsere Aussicht durch das Dach nur getrübt wäre und ab ging es mit Vollgas den Fluss hinauf.

Die Sonne stieg langsam höher und wir machten uns gemütlich auf dem Boot. Dumm nur, dass weder Buffs noch Sonnencreme griffbereit waren und so merkten wir ziemlich schnell warum Paul uns vorgeschlagen hatte das Sonnendach zu nutzen. Egal, Handtuch um den Kopp und Ärmel runter gekrempelt. Das muss schon gehen... Stunde um Stunde verging und wir realisierten, dass wir auf dem Weg ins Nichts waren. Der Fluss wurde langsam schmaler und die ersten Stromschnellen lagen vor uns. Kein Problem für Paul der diesen Fluss kennt wie kaum ein anderer. Nach gut sechs Stunden Fahrt hielten wir an einer mitten im Regenwald gelegenen Hütte um unsere Benzinvorräte aufzufrischen. Laute, indische Musik dröhnte aus der Hütte und niemand antwortete auf unsere Rufe. Roman machte sich auf die Suche nach einer Toilette und kam nach kurzer Zeit gekrümmt vor Lachen zurück. Roman hatte den Besitzer der Hütte ausfindig machen können. Dieser machte es sich in seiner Hängematte und ner Pulle Vodka gemütlich und zog sich ein paar Ü18 Erwachsenenfilme in voller Lautstärke rein... Dumm nur wenn auf einmal Besuch auf der Matte steht...

Schnell wurden die neuen Bezinkanister aufgefüllt und weiter ging's. Als ich Paul fragte wie lange wir denn noch fahren müsste, grinste er nur und meinte, dass wir es in vier Stunden schaffen würden... Ok noch mal vier Stunden. Inzwischen waren wir alle von der Sonne ziemlich abgefackelt aber wir wollten ja nicht rumheulen wie Mädchen und zogen es einfach durch. Die Sonne war schon verschwunden als wir endlich vor uns die legendären Wonotobo Falls sahen. Endlich waren wir angekommen. Am Ufer direkt am Wasser stand eine ziemlich gut aussehende Lodge auf Stelzen. Da hatten wir Schlechteres erwartet. Schnell das Gepäck in die Hütte geschleppt und Tackle gerichtet. Bis in die Nacht hinein fachsimpelten wir und richteten unser Angelgerät für die kommenden Tage.

Redtails en masse!

Das schrille Kreischen des Weckers riss uns aus dem wohlverdienten Schlaf. Es war noch stockdunkel draußen doch nach einem Kaffee und einem guten Omlette sag die Welt schon wieder in Ordnung aus. Dave, einer unserer Guides hatte noch in der Nacht ein paar Netze zum Köderfischfang gelegt, fragte uns ob wir Ihm helfen wollen die Netze zu kontrollieren. Klar waren wir dabei! Roman und ich stiegen mit der Kamera bewaffnet in das Alulangboot und ab ging's. Bereits im ersten Netz zappelte es nur so von Köderfischen und so war das Thema schnell abgehandelt. Wir hatten ein paar Piranhas, Welse und eine Art Weißfisch im Köderfischbehälter und als wir zum zweiten Netz kamen, sahen wir das irgendwas nicht stimmte. Das Netz war total zerrissen und die Köderfische weg. Da musste sich wohl in der einer unserer Freunde an der Snackbar bedient haben.

Wir luden schnell die Baits bei Flo und Felix ab und kontrollierten noch zwei weitere Netze, dieses Mal mit einem wackeligen Einbaum. Hier hatten wir einen großen Tigerspartel und einen fetten Kubi in den Maschen sowie ein paar größere Piranhas. Das sollte für die erste Ausfahrt am Morgen reichen. So verteilten wir die Köderfische auf zwei Boote und ab ging es an die ersten Spots. Das Fischen auf Piraiba und Redtail in Suriname ist eigentlich kein Hexenwerk. Hotspots sind tiefe Löcher mit starken Strömungen und dicken Felsen mit Ruhigwasserbereichen dahinter. Und solche Spots fuhren wir an. Teilweise sind diese Stellen fast 30 Meter tief. Die Montagen welche wir verwendeten sind eigentlich ganz einfache Laufmontagen mit Seaboom, 250 Gramm Blei, starkem Wirbel, dickes 500lbs Kevlar und Einzelhaken mit ST61 Drilling. Der bis zu 30cm große Köderfisch wird wie bei uns durch die Nase angeködert und dann mit etwas Schwung an die Strömungskaten geworfen. Man lässt den Köder so lange abtreiben bis man Grundkontakt hat, schließt den Bügel, stellt den Freilauf entsprechend so ein, dass keine Schnur von der Strömung abgezogen werden kann und wartet.

Wir fischten in der Regel mit nicht mehr als drei Ruten, was mehr als ausreichend war. Und so dauerte es auch nicht lange als der erste Biss auf Flo's Rute sich mit einem kurzem Ratschen ankündigte. Kurz laufen gelassen, Anschlag und der Haken saß. Der Fisch nahm Schnur und Flo wurde kurz durchgeschüttelt. Nach einem harten Drill gab der Fisch aber schnell auf und das gelborangene Schimmern unter Wasser verriet uns das ein guter Redtail Catfish den Bait genommen hatte. Per Schwanzwurzelgriff landete der gut zehn Kilo schwere und bildschöne Fisch im Boot. Flo freute sich nicht nur über den ersten Redtail sondern auch über das lustige gequitsche welches der Wels von sich gab. Nach einem kurzen Fotoshooting durfte der Redtail wieder schwimmen und auch das andere Boot meldete per Funk ebenfalls mehre Redtailfänge. So fingen wir an diesem ersten Vormittag noch einige Redtails, der Piraiba war allerdings noch nicht dabei. Aber wir fischten uns ja gerade erst warm...

Den Mittag verbrachten wir damit auf Köderfische zu angeln. Köderfische hier heißt Piranhas. Große Piranhas. Diese aggressiven Teufel machen mit ziemlich allem kurzen Prozess so brauchten wir eine Weile um unser "Köderfischgerät" anzupassen. Das Einzige was den Zähnen der Piranhas stand hielt, war ein 30 Kilo Stahlvorfach an dessen Ende mindestens ein Tönnchenwirbel mit fünf dicken Sprengringen und ein ST61 Drilling befestigt war. Da Piranhas nicht Vorfachscheu sind, war dies die einzige Medizin um die Fische zu fangen. Und selbst dann wurden die Drillinge zerquetscht wie nichts... Hat man die Piranhas an der Stelle geht es ziemlich flott. Man muss nur ein dickes Stück Fisch auf den Drilling packen, dann raus damit an die Strömungskante und abwarten. Die Bisse kommen sofort und die Piranhas hauen richtig in die Rute. Doch wer nun anschlägt verliert. Die kleineren Piranhas können die Drillinge nicht wirklich ins Maul bekommen, daher wartet man einfach bis einem die Rute aus der Hand gerissen wird und schlägt dann kräftig an. In der Regel sind die Rotaugen Piranhas zwischen einem halben Kilo und zwei Kilo schwer und gehen ganz schön ab! Also Mittagspaß ist beim Köfifang garantiert!

Abends fingen wir noch mal ein paar Redtails und ließen den Abend nach dem tollen Abendessen langsam ausklingen. Schließlich sollte es wieder gegen vier Uhr morgens los gehen. Also ab in die Fallen!

Der fliegende Carsten!

Nebelschwaden waberten über dem Wasser als wir erneut zu den unter den Falls gelegenen Stellen aufbrachen. Eine ziemlich mystische Stimmung lag in der Luft und irgendwie hatten wir ein gutes Gefühl an diesem Morgen. Hatten wir doch schon an der ersten Stelle einige Piraibas an der Oberfläche buckeln sehen. Heute musste es einfach klappen. Nach einer erfolgreichen ersten Stelle ging es an einen gut 30 Meter tiefen Pool mit vielen Unterwasserfelsen. Carsten, Roman und ich ließen unsere Köder ab und warteten gespannt auf den ersten Fischkontakt des Tages. Dieser kam nur kurze Zeit später auf Carstens Pro Cat short and soft. Doch der Anschlag ging ins leere... So ein Mist, aber kein Grund für lange Gesichter. Denn nur kurze Zeit später auf der exakt gleichen Stelle erneut der Biss und dieses Mal lief die Schnur gut von der 10500er Penn Spinnfisher.

Carsten ließ den Fisch noch etwas länger gehen, hielt dann die Hand auf die Spule und feuerte voll rein. Doch womit Carsten nicht gerechnet hatte war jenes in welches er gerade angeschlagen hatte. Der Fisch riss Carsten mit brutaler Kraft nach vorne und er konnte sich nur noch mit Hinsetzen und einem heftigen Einschlag an der Bordwand im Boot halten. Paul, Roman und ich konnten uns das Lachen nicht verkneifen und als sich Carsten wieder gefangen hatte ging die Post erst richtig ab. Allen war klar, das war ein Piraiba! Und dieser feuerte richtig Schnur von der Rolle. Carsten hing mit vollem Gewicht im Drill und zeigte uns Rodriding vom Feinsten. Mit gut 15 Kilo Bremseinstellung war es fast nicht möglich die Rute normal zu halten. Der Fisch nutzte die volle Strömung und Tiefe gekonnt aus und brachte Carsten ganz schön ins Schwitzen. Nach gut 20 Minuten gab der Fisch dann auf und kam wie ein U-Boot an die Oberfläche. Was nen Gerät!

Wir sicherten den Fisch mit einem Seil am Schwanz und schleppten ihn an einen Strömungsarmen Bereich gleich neben dem Spot. Wir waren alle ziemlich beeindruckt von dem kompakten und mächtigen Fisch und Paul machte sich auf Flo und Felix zu holen. Schließlich wollten doch alle diesen ersten Piraiba bewundern. Der gut 80 Kilo schwere Fisch maß gute 195 Zentimeter und war ein Muskelpaket sonders gleichen. Ein absoluter Traumfisch und was wir bis dahin noch nicht wussten, es sollte noch um einiges mehr gehen... aber dazu später mehr. Der Fisch wurde nach ein, zwei Bildern im perfekten Zustand released und der Fang in der Lodge gefeiert! Am Abend konnten wir außer ein paar Fehlbissen leider keine weiteren Erfolge vermelden. Aber der Fisch vom Vormittag und die fantastische Natur war Befriedigung genug.

Die gute alte Steinmontage!

Carsten hatte bereits in der vorherigen Nacht einen guten Redtail auf die Steinmontage fangen können und so entschlossen wir uns nun, dank der von Carsten mitgebrachten Cat Sounder, in dieser Nacht Vollgas zu geben! Vier Ruten sollten mit Steinmontagen abgelegt werden. Und der Aufwand sollte sich lohnen. Denn am frühen Morgen pfiff der Funk und wir alle rannten in unseren Boxeshorts zu den Ruten. Felix nahm die Rute und der Tanz begann. Der Piraiba gab Vollgas und Felix hielt dagegen. Der Fisch wollte zuerst flussab und dort gab es einen Baum unter Wasser. So hatte Felix keine andere Wahl als alles zu geben um den Fisch zu stoppen. Dies gelang ihm und er konnte den Piraiba ins Flachwasser bringen. Noch ein paar weitere, ziemlich heftige Fluchten und wir konnten die Schlinge um die Schwanzwurzel legen. Was ein Kalb! Dieser Goliath Wels war noch größer als jener von Carsten. Und das Maßband bestätigte es. 200 Zentimeter! Hammer Teil!

Wir entschlossen uns nicht mehr ins Bett zu gehen da wir eh in Kürze wieder aufstehen mussten. Also lieber noch ein paar Kaffee mehr getrunken und raus auf den Tümpel. Leider wieder ohne Piraibakontakt und so entschlossen wir uns am Nachmittag ein bisschen Spinnfischen zu gehen. Vielleicht könnten wir noch ein paar Peacocks oder Anjumaras fangen. Und so war es am Ende auch. Wir konnten an ein paar tollen Spots unterhalb der Falls und in fantastischer Kulisse noch ein paar gute Peacocks, Piranhas und Raubdöbel fangen und somit die bunte Fangpalette Surinames erweitern. Felix fing noch einen 4,5 Kilo Peacock auf dem Weg zurück zur Lodge. Am Nachmittag entschlossen wir uns zu Fuß an die Falls zu gehen. Mit der Schrotflinte bewaffnet ging es zuerst mit dem Boot zu einer Stelle an der wir dann zu Fuß weiter die Falls hinauflaufen konnten. Der Regenwald war ziemlich dicht und der Pfad nur zu erahnen. Als wir unterhalb der Falls waren, befanden wir uns auf einmal in einer beeindruckenden Kulisse wo tausende Tonnen Wasser die Falls hinunter donnerten. Und ein paar Minuten weiter öffnete sich eine spektakuläre Flusslandschaft mit Stromschnellen und riesigen Felsen überall. Schnell schossen wir noch ein Gruppenfoto und machten uns wieder auf zur Lodge. Wir wollten nämlich am kommenden Tag den Fluss wechseln.

Und wieder sollte es die gute alte Steinmontage sein die uns zu einer unruhigen Nacht verhalf. Zuerst rappelte es auf Felix Rute und wir rannten runter ans Ufer. Leider war außer einem umgebogenen Rutenhalter nichts mehr von der Rute zu sehen. Scheiße! Die Rute war wohl beim Biss aus dem Ständer gerissen worden. Die gute Xzoga 7708 mit 10500er Penn war scheinbar in den Weiten des Flusses verschwunden. Mit langen Gesichtern holten wir die zweite ausgelöste Rute ein... Plötzlich tauchte die gelbe Schnur von Felix Rute, gefangen vom Drilling der zweiten Rute auf. Flo stürzte ins Wasser und griff die Schnur. Man hatten wir Glück. Wir konnten die Rute retten! Nach dem Schock legten wir uns erst mal wieder hin. Doch lange konnten wir uns nicht ausrufen. Denn auch die letzte der Ruten sollte einen Biss bringen. Romans Rute stand krumm im Ständer und wieder hieß es Boxershortparty! Roman wurde vom Piraiba fast ins Wasser gerissen und nach dem heftigen Drill konnte auch er seinen ersten Piraiba in den Armen halten. Nicht ganz so groß wie die anderen Fische, aber immer noch über 185 Zentimeter geballte Muskelpower.

Auf zu neuen Ufern!

Nach einem kurzen Frühstück wurde mal wieder geschleppt und dann ab in den Kahn. Auf uns warteten neben einem kurzen Besuch bei Pornokarl noch nette acht bis zehn Stunden Bootsfahrt. Dieses Mal mit Buff und Sonnencreme sowie einer Pulle Captain Morgan. Die Zeit verging dieses Mal recht flott. Acht Stunden später standen wir wieder an der Grenze nach Guyana und warteten auf unser Taxi. Dieses sollte uns dann zum Hotel bringen, wo wir eine Nacht hatten um dann am folgenden Morgen zu Fluss Nummer zwei aufzubrechen. Das Hotel war nichts außergewöhnliches und den Abend verbrachten wir Downtown auf der Suche nach gutem Essen und einem kühlen Bier. Beides wurde am Abend noch erfolgreich abgehakt und auch die Suche nach Bier für die kommenden Tage im Regenwald war erfolgreich.

Lange schlafen konnten wir alle nicht wirklich. So standen wir früh auf und machten uns zu Fuß auf zum Fischmarkt. Sehr interessante Dinge konnten wir dort entdecken. Vor allem Tarpon! Eine Menge Babytarpon. Frisch gefangen, teilweise geräuchert lagen die Silberbarren neben Kubis und kleinen Welsarten welche wohl für etwas Druck in der Hose eines jeden Aquarianers gesorgt hätten. So nach diesem kurzen Kulturpart der Reise ging es zurück ins Hotel und dann mit dem Transport weiter zum neuen Fluss. Diesen erreichten wir nach gut vier Stunden Fahrt. Dave und sein Vater George waren bereits vor Ort und nur noch Paul fehlte. Wir kauften für die Familie und die paar Kiddies die rumsprangen noch schnell beim Chinesen ein bisschen Eis und warteten auf Paul.

Tja dumm gelaufen für Paul. Der Arme hatte auf halben weg zum Fluss bemerkt, dass er sein Geld vergessen hatte. Also musste er wieder zurück und das Geld organisieren. Wir machten uns unterdessen bei den Einheimischen gemütlich und diskutierten die Taktik und die vergangenen Tage. Vor allem die Tarpone auf dem Fischmarkt hatten es uns doch ein bisschen angetan. Wir wussten bereits von Paul, dass in dem neuen Fluss einige Tarpone hochziehen und diese auch zu fangen sind. Also eine kleine Zusatzaufgabe zum Programm hinzugefügt, Tarpon fangen und weiter gewartet. Unser Tackleboote mit all dem Equipment für das Basecamp machte sich zwischenzeitlich schon mal auf den Weg. George wollte das Camp schon mal aufbauen. Wenig später traf dann auch Paul etwas gestresst ein. Schnell hievten wir die Boote ins Wasser und machten uns auf den Weg.

Dieses Mal sollte die Fahrt nur gut zwei Stunden dauern. Und bereits nach den ersten Metern merkten wir, dass wir hier voll im Dschungel sein würden. Hunderte Aras und andere Papageien flogen über uns hinweg und am Ufer standen riesige "Heimatbäume". Das wird der Hammer dachten wir uns. Wenn die Erzählungen nur annähernd so sind wie wir sie von Dave und Paul gehört hatten, sollte es hier richtig krachen. Gegen Nachmittag steuerten wir eine kleine Lücke im dichten Regenwald an. Hier sollte es also sein. Unser Dschungelcamp für die nächsten Tage und Nächte.

George hatte bereits einen Großteil des Camps aufgebaut und so halfen wir ihm mit den letzten Sachen und genossen wieder einmal das hervorragende Essen und das Kühle Bier. Die Ruten waren zwischenzeitlich schon wieder einsatzbereit und wir wollten gleich am kommenden Morgen loslegen. Dieser Fluss ist abhängig von den Gezeiten und daher richtet sich die Angelzeit mehr nach Ebbe und Flut als nach dem Sonnenauf- oder Untergang. Und so sollte es geschehen...

Der Fluss der Monster!

Was wir die kommenden Tage hier erleben sollten, hätte wohl keiner erwartet. Gleich am ersten Abend krachte es bei Carsten richtig und er konnte an einem Flusseinlauf einen gut 100 Kilo schweren und 204 Zentimeter langen Piraiba landen. Und dies nach nur ein paar Minuten nach Ablassen der Köder. Und auch die anderen Jungs hatten Piraibakontakt. Felix konnte noch ein kleineres Exemplar fangen und auch Roman schlug zu. Hier schien es unterschiedliche Arten von Piraiba zu geben. Die dunkelgrün-braunen Monster, dann silberne und fast weiße Piraibas die scheinbar nicht ganz so groß werden, aber in der Sonne glitzern wie Chromfelgen an einem Lowrider. So hatten wir bereits nach dem ersten Tag lange Arme und ein weiteres Monster auf unserer Fangstatistik. Wenn das so weiter geht...

Und es sollte so weiter gehen. Am nächsten Tag machten sich Flo, Felix und ich wieder auf an eine tiefe Außenkurve. Kaum waren die Köder im Wasser bekam ich einen heftigen Biss... Ich hakte den Fisch mit mehreren heftigen Anschlägen doch, ich weiß nicht wie, kam der Hund dann doch los. Das war auch ein richtiges Gerät was mich beim Anschlag ordentlich aushebelte. Der gut 30 Zentimeter große Köderfisch war komplett zerquetscht. Auch Dave war der Meinung, dass dies ein richtig fetter Kollege gewesen sei. Doch keine Zeit für lange Gesichter. Kurze Zeit später war es Felix der einen sauberen Biss bekam und beim Anschlag fast über Bord ging. Der Piraiba riss in seiner ersten Flucht unglaublich Schnur von der 25k Saragossa SW. Felix konnte sich nur mit Not im Boot halten.

Ein heftiger Drill später mit immer wieder extremen Fluchten konnte Felix das Beast endlich an die Bordwand zum Landen buchsieren. Flo war gerade dabei, die Schlinge um den Schwanz des knapp zwei Meter langen Exemplares zu legen als er von dem Fisch so heftig eine geschossen bekam, dass fast die Lichter ausgingen. Man sollte niemals die Macht des Piraibas unterschätzen... Selbst wenn die Fische ausgedrillt erscheinen können sie jederzeit aus dem Nichts explodieren. Schließlich lag das Teil dann doch im Boot und nach ein paar Fotos ging der Spaß in die zweite Runde.

Wir hatten gerade die Ruten neu gelegt als es auf Flo's Rute endlich auch knallte. Wieder eine brachiale Flucht, wieder Rod-Riding vom feinsten und wieder ein Monster von über 190 Zentimetern. Junge, junge das war ja echt der Knaller was hier abging... Wieder schossen wir ein Foto, Dave konnte es kaum mit ansehen wie der riesige Fisch auf dem Schoß des Fängers gewuchtet wurde und ließen den majestätischen Fisch zurück in sein Element. Per Funk erfuhren wir, dass auch Roman wieder erfolgreich gewesen ist. Sein Piraiba brachte es auf gut 180 Zentimeter. Beim Abendessen konnten wir es immer noch nicht so richtig glauben was heute abging.

Und die Tage ging es noch so weiter. Wir konnten noch weitere gute Piraibas fangen. Wir hatten sogar einige Tarpone auf der Spinnrute, welche wir leider alle verloren und noch ein gut 150lbs großen Tarpon welcher sich den Piraibaköder schnappte und nach einem spektakulären Sprung direkt hinter dem Boot wieder in den brauchen Fluten verschwand. Hier war also einiges unterwegs. Auch beim Spinnfischen konnten wir neben Pacus auch diese Raubdöbel sowie einige Kubis fangen. Langeweile kam also nicht auf.

Das gute Ende kommt zum Schluss!

Ich selbst war bisher ein bisschen vom Pech verfolgt und hatte bisher nur einen guten Piraiba auf meiner Habenseite. Irgendwie wollten die Hunde bei mir nicht richtig hängen bleiben. So hatte ich schon einige gute Fische im Drill verloren oder nicht haken können. Aber als alter Hase habe ich inzwischen gelernt die Ruhe zu bewahren. Flo erging es auch nicht besser. Ok er hatte schon ein paar mehr gefangen darunter auch ein fast zwei Meter Fisch. So mussten wir uns jeden Abend von unseren Mitanglern anhören dass wir doch endlich mal was fangen sollten und dass sie es sich verdient hätten zu feiern da sie ihre Fische schon gefangen hätten.... Doch aufgepasst. Von hinten kackt die Schlange!

Flo und ich waren schon seit zwei Tagen ohne Fang, da entschlossen wir uns am vorletzten Abend mit George dem alten Hasen eine "Alles oder nichts" Tour zu fahren. Felix, Carsten und Roman hatten die zwei Tage zuvor noch einige Piraibas gefangen, darunter wieder ein fast zwei Meter Fisch, so ließen sie uns in unserem Frust alleine ziehen. Und nun sollte das passieren was sie für immer schweigen lassen sollte.... Die Flut lief gerade ab und dicke Regenwolken machten sich am Horizont breit. Wir fischten eine tiefe Rinne mit drei Ruten und unterschiedlichen Ködern. Der erste Biss kam wie aus dem Nichts. Ein kurzes Zucken in der Rutenspitze, ein kurzes Ratschen, ich nahm die Rute auf, der Fisch zog stetig Schnur und dann hämmerte ich volles Rohr rein. Dieses Mal wollte ich sicher gehen, dass der Haken irgendwie greift...

Aber hallo! Dann ging die Post erst richtig ab. Der Fisch war gut gehakt und sprintete in der vollen Strömung mit Highspeed davon. Die Bremse glühte! Die Spule war so heiß, dass ich mir fast die Finger beim noch weiter Zudrehen verbrannte. Ich musste bereits bei mehr als 15 Kilo Maxdrag sein und der Fisch war einfach nicht zu stoppen. "ANKER!!! ANKER!!!! ANKER!!!" brüllten Flo und ich. Unsere einzige Chance nicht leer gemacht zu werden. Und die 280 Meter 150lbs Power Pro flogen nur so von der Rolle... Endlich Anker oben, doch nun ein neues Problem. Bäume! Und genau diese steuerte der D-Zug an. Alles oder nichts. Ich hielt die Hand auf die Rolle und George haute den Rückwärtsgang rein. So gelang es uns den Fisch vor den Bäumen zu stoppen...

Ein kreuzbrechender Drill begann und ich konnte es kaum glauben dass ein Fisch im Süßwasser so eine Kraft aufbauen kann. Flo hielt schön mit der Kamera drauf und filmte meine Qualen. Ich kann nicht genau sagen wie lang der Drill am Ende dauerte, aber 15 Minuten waren es mit Sicherheit. Und dies mit geschlossener Bremse, 80lbs Popperrute und Rodriding... Dann endlich mit einem Plopp tauchte der Riese neben dem Boot auf. Wir konnten es beide nicht glauben. Das Teil war so massive, dass es uns die Sprache verschlag. Ein Schrei in der Dämmerung, eine Schlaufe um die Schwanzwurzel und gesichert war dieser Monster Piraiba! Und genau in diesem Moment brachen die Wolken über uns her...

Wir schleppten den Fisch zu einem Platz am Dschungelrand wo wir problemlos fotografieren konnten. Den Fisch hatten wir zur Stabilisierung noch immer am Schwanz gesichert und hielten ihn aufrecht im Wasser. Um Bilder und Videos von diesem Giganten zu machen, mussten wir den Regen aussitzen. Flo und ich waren beide Nass bis auf die Haut und als der Regen einigermaßen aufhört erledigten wir die Fotos und Videos in einem Rutsch und ließen den Fisch wieder davonziehen. Das Maßband zeigte 210 Zentimeter und wir schätzten das Gewicht auch gut 110 Kilo. Was eine Maschine. Und das ist noch nicht einmal die Obergrenze der Goliath Welse!

So nun war es an Flo seinen zwei Meter plus zu fangen. Obwohl nichts mehr trocken war, entschlossen wir uns wieder an die gleiche Stelle zu fahren und erneut die Ruten auszulegen. Nun regnete es richtig heftig, doch wir zogen es durch. Und die Mühe sollte belohnt werden. Gerade eine viertel Stunde später bekam Flo den Biss auf den er gewartet hatte. Der Anschlag saß und auch dieser Fisch gaste wie ein Bekloppter ab! Das Wasser verdampfte auf der Spule und auch hier waren wir gezwungen den Anker zu lösen. Flo schenkte dem Fisch im Drill nichts und so konnte er den Kampf ziemlich flott beenden. Und da lag er. Sein ersehnter zwei Meter Piraiba! Leider regnete es so stark, dass wir nur mit der GoPro und seiner kleinen, wasserdichten Kamera ein paar Bilder schießen konnten. Aber was soll's! Mission erfüllt!

Der letzte Angeltag brachte noch einmal ein paar kleinere Exemplare. Aber ganz ehrlich war unsere Angellust schon mehr als gestillt worden und so nahmen wir es gegen Ende nicht mehr so genau mit dem Fischen. Nach einem letzten Bad auf unserem Badebaum ging es wieder zurück zum Hafen von wo aus es direkt zum Nachtflug weiter nach Paramaribo ging. Check-in lief ohne Probleme und auch die Übergepäck Problematik konnten wir mit unserem Charme weg reden. Nur gut das die Deutschen durch den gewonnen Weltmeistertitel überall nun hoch im Kurs standen... So ging es mit dem mittlerweise reparierten und zu unserer Überraschung nagelneuen und sehr gut ausgestatteten Flieger zurück nach Amsterdam und heim nach Stuttgart.

Fazit!

Junge, junge! Das war ne ermüdende aber geniale Tour! Die Fische gehen höllisch ab, die Natur ist der Wahnsinn, das Essen klasse, die Organisation perfekt, das Camp basic aber absolut in Ordnung, ich würde sogar sagen, dass wir in Italien beim Welsangeln um einiges schlechter gehaust haben, so was will man mehr.

Wir konnten in den gut zwei Wochen eine 25 Piraibas und 11 Redtails fangen. Die größten Exemplare waren dabei 180, 195, 195, 197, 200, 200, 204, 210 Zentimeter. Die Schnittgröße lag bei gut 170-180 Zentimetern. Dazu noch ein paar dicke Peacocks, Piranhas und anderen Kram auf die Spinne. Also ein absoluter Erfolgstrip auf dem wir eine Menge Spaß hatten.

Von den Fängen her muss man sagen, war der zweite Fluss um einiges besser was die Piraibas angeht. Allerdings gibt es hier keine Redtails, dafür die Chance auf Tarpon. Wir haben uns daher entschlossen für unser Programm nur den zweiten Fluss aufzunehmen da dieser einfacher zu erreichen ist und eine höhere Piraibadichte aufweist. Wir freuen uns schon jetzt auf das kommende Jahr und dann wollen wir die 240 Zentimeter knacken! Wer also Welsangler ist und meint unsere Welse seien das Non plus Ultra, der sollte sich Carsten Zecks Zitat: "Die ganze Zeit wo ich in Europa gefischt habe, habe ich wirklich was verpasst!" einmal durch den Kopf gehen lassen!

Andreas Knausenberger