Neues Wasser

29.12.2014 - von Carsten Zeck -

Ende Juni war es wieder einmal soweit. Die Erkundung eines neuen Gewässers stand an. Diesmal begleitete mich André, unser Grafiker und PC Experte in der Firma. Er freute sich tierisch darauf, endlich mal wieder Wallerfischen zu gehen. Wie ich bereits bei einem meiner letzten Berichte angedeutet habe, finde ich es außerordentlich wichtig, dass auch meine engen Mitarbeiter wissen, was am Wasser abgeht und vor allen Dingen, wie sich unsere Produkte im Praxiseinsatz schlagen.

Aufgrund eines vollen Terminkalenders und der ein- oder anderen Schwierigkeit mussten wir die Tour leider immer wieder ein paar Tage nach hinten verschieben und letztendlich blieben uns nur drei Tage Zeit, den neuen Fluss zu beackern.

Die Fahrt war mehr oder weniger die Hölle. Nach einem Zwischenstopp in der Schweiz, wo wir uns bei unserem guten Freund Lüku mit Köderfischen eindeckten, ging es weiter. Nachts gegen 1:00 Uhr entschlossen wir uns, uns einige Stunden hinzulegen. Also ging es die nächste Abfahrt raus und wir hielten Ausschau nach einem geeigneten Schlafplatz. Ein nahegelegener Skaterpark kam da gerade recht. Hier konnten wir die Liegen unter eine Quaterpipe stellen und blieben vom Regen verschont. Eigentlich sollte die Sauerstoffpumpe für die Köderfische in meinem Wagen weiterlaufen. Aber irgendein schlauer, japanischer Ingenieur hat sich wohl gedacht, eine Schutzfunktion in mein Auto einzubauen. Da mein RAV nicht nur „keyless“, sondern nach einiger Zeit auch im Stand auch „powerless“ ist, wurde die „Luft“ im Köfibehälter allmählich rar und alle Weißfische segneten das Zeitliche. Auf einmal standen uns also nur noch 14 anstatt 30 „Zeitarbeiter“ zur Verfügung. Na toll – die Stimmung war zuerst mal auf dem Tiefpunkt.

Schlecht gelaunt, aber immerhin etwas ausgeschlafener, ging es wieder auf die Piste. Wir fuhren von einem Stau in den nächsten und mussten einigen Umleitungen folgen. Letztendlich kamen wir nach fast 24 Stunden Fahrt doch noch in der Zielregion an. Eigentlich sollte die ganze Geschichte ja nur zehn Stunden dauern, aber so ist das nun mal, wenn man einmal vom Pech verfolgt wird. Die letzten Meter waren noch einmal richtig beschwerlich. Mein „kastrierter“ Geländewagen musste zeigen, was seine Vorfahren so drauf hatten. Wir wurden auf dem Feldweg (oder soll ich besser sagen: Über den in Reihe angeordneten Kratern) heftig durchgeschüttelt, erreichten aber letztendlich doch noch ohne weitere Vorkommnisse unseren „Bach“.

Da war er nun; kleiner als wir ihn uns vorgestellt hätten. Irgendwie war das Wasser auch ziemlich trüb. Es schien so, als würde das Flüsschen leichtes Hochwasser führen. Trotzdem verrieten einige Wasserverwirbelungen, die geringe Tiefen von manchen Stellen. Hier sollen kapitale Waller drin sein? Ich war wirklich mal gespannt, ob meine Recherchen stimmten oder ob die Entscheidung hier hin zu fahren, nicht doch ein Griff ins Klo war. 2008 erlebte ich eine ähnliche Situation. Damals fuhren wir an einem Wochenende insgesamt 2.700 Kilometer, um letztendlich mit einem demolierten Trailer und einem 80 Zentimeter langen Wels im Fangbuch wieder die Heimreise anzutreten. Doch das ist wiederrum eine andere Geschichte. Trotz unserer Müdigkeit mussten wir uns motivieren. Es folgte das, was fast immer zu Beginn eines jeden Ansitzes folgt: Schlauchboot aufpumpen und Köderfische ins Wasser setzen. Wer die Videoreihe gesehen hat, weiß vermutlich schon, was passiert ist. Direkt der erste Fisch der Tour sprengte die 2m-Marke. Der Plan ging auf!

Es ist wirklich Wahnsinn, wie viele kleine Gewässer mit außerordentlichen Fischbeständen es gibt. Einige kritisieren ja immer unsere Auslandsreisen. Kommentare wie „Im Ausland kann jeder was fangen; versucht es doch mal in Deutschland .“, kann man sich dann durchlesen. Einerseits kann ich solche Leute verstehen. Andererseits wissen bzw. verstehen solche „Nörgler“  wohl nicht, warum sich meine Freunde und ich gerne auf die Reise begeben.

Viele Gewässer in Deutschland reizen mich ohne Ende. Noch immer bin ich in der Heimat ohne 2m-Fisch. Während ich im Jahr etliche Kilometer auf den europäischen Autobahnen zurücklege, um an den entlegensten Ecken auf Waller zu fischen, verbrachte ich bisher nur einen winzigen Prozentsatz meiner Zeit an den deutschen Flüssen und Seen. Gründe? Nun ja; zum einen vermiesen Vereinsmeierei, Gastanglerfeindlichkeit, Verbote, die penibel kontrolliert werden und auch Missgunst anderer Angler, einem oftmals das Hobby. Zum anderen gibt es aber noch ein etwas, das bei mir in erster Linie dafür verantwortlich ist, ständig ins Ausland zu reisen und Kilometer zu „schrubben“: Abenteuerlust. Man könnte es auch als Fernweh bezeichnen. Als kleines Kind bin ich leider oft vor den Fernseher gesessen worden. Auch später, als ich bereits vom Angelvirus infiziert worden war, ging es mit meinem Vater zumeist nur an den Dorfteich. Ich verschlang damals förmlich die Angelzeitschriften und sehnte mich nach Auslandstrips. Ich schwor mir, sobald ich mobil sein sollte, würde es los gehen. Als ich 18 wurde, öffnete Europa dann endlich seine Pforten.

Noch immer suche ich gerne neue Wege, abseits von ausgetretenen Pfaden. Umso weniger Angeldruck herrscht, umso besser ist es. Auch wenn ich mir immer schwöre, dass Welsangeln in Deutschland mehr in meinen Fokus rücken sollte, kann ich es einfach nicht lassen. Etliche Gewässer, fernab der Heimat, reizen mich einfach zu sehr, um sie links liegen zu lassen. Vielleicht kann ich in naher Zukunft ja beides miteinander gut kombinieren. Heimatnahe Sessions mit legalen Methoden und Abenteuertrips im Ausland. Strukturelle Veränderungen in der Zeck Fishing GmbH sollen das ab 2015 möglich machen. Mal sehen; ich will den Tag noch nicht vor dem Abend loben. Deshalb geht es zunächst mal wieder zurück zu unserem Trip.

Die anfängliche Skepsis war nach der ersten Nacht schnell vergessen. Leider hatten wir zwei gute Welse durch ärgerliche Aussteiger verloren. Leider hatten wir auch keine guten Köfis mehr. Verzweiflung machte sich aber trotzdem nicht breit. Auch wenn das Köderfischangeln aufgrund des Hochwassers nicht funktionierte, behielten wir unsere gute Laune bei. Wir redeten viel über die Zukunft der Firma. Es ist gar nicht so einfach, sich mit einem überschaubaren Welsprogramm als Angelgerätehersteller im Bereich des Großhandels gegen Mitbewerber durchzusetzen, deren Jahresumsatz sich oftmals im zweistelligen Millionenbereich bewegt. Ich bin echt megazufrieden, dass die Angler und auch viele Händler, die Liebe und den damit verbunden Qualitätsunterschied unserer Produkte erkennen. Viele hätten es mir nicht zugetraut, dass ich als „junger verrückter Welsangler“ mehr oder weniger alleine ein Unternehmen aufbaue, das erfolgreich Angelgeräte produzieren lässt und vertreibt. Wir sind so ziemlich die einzige Firma, die sich ausschließlich auf ein Welssortiment konzentriert. Die Gründung der GmbH, Produktmanagement, Lagerlogistik, Warenimport, Versand, Außendienst und auch marketingtechnische Angelegenheiten – alles Dinge, die sehr viel Zeit und Geld „fraßen“. Wir mussten bei 0 anfangen. Synergieeffekte, die alteingesessene Firmen durch diverse Komplettsortimente haben, gibt es bei uns nicht. An dieser Stelle muss ich deshalb nochmals ein großes Lob aussprechen. Dieses Lob geht an alle, die Zeck Fishing nicht nur gut finden, sondern uns auch mit dem Kauf unserer Produkte unterstützen. Nur durch euch sind wir in der Lage, jetzt im zweiten Jahr mit einem Komplettsortiment für die Wallerjagd da zu stehen. Wenn auch weiterhin so viele sich für Qualität entscheiden und unsere Produkte benutzen, können wir auch in vielen Jahren noch hochwertiges Waller-Tackle auf den Markt bringen und euch auf Plattformen wie Facebook und Youtube mit wissenswertem Content versorgen.

Unser Vorteil gegenüber großen Firmen ist, dass wir nicht nur spezialisierter sind und dadurch mehr Zeit in die Entwicklung der einzelnen Produkte stecken können, sondern dass wir auch wesentlich „wendiger“ und kundennäher sind. Genau in diese Richtung gingen auch die Gespräche während des Erkundungstrips mit André. Zwischendurch wurden mit dem Handy noch einige wichtige Emails verfasst. Mir ist vollkommen bewusst, dass ich ohne die Firma im Hintergrund zu haben, am Wasser ein wenig anders agieren würde. Dennoch ist es mir zehn Mal lieber, ein wenig Arbeit mit ans Wasser zu nehmen, als auf das Angeln komplett zu verzichten. Die Stellschraube aus Praxis und Büro gilt es, optimal einzustellen. Ich bin fest davon überzeugt, dass dieses Verhältnis den Erfolg von Zeck Fishing in Zukunft maßgeblich beeinflussen wird.

Seit es die Zeck Fishing GmbH gibt, bin ich am Wasser etwas entspannter geworden. Das heißt nicht, dass ich von Aktionen mit viel Arbeitsaufwand zurückschrecke, sondern viel mehr, dass ich das Angeln mehr genieße, es als Entspannung betrachte und mich nicht mehr verrückt mache, wenn mal etwas nicht funktioniert. Das ist auch der Grund, warum ich am zweiten Abend relativ ruhig blieb, die präsentierten Köderfische weiterhin dicht am Buschwerk ihren Dienst verrichten ließ und mich einfach auf das freute, was kommen sollte. Denn wenn man gewissenhaft säht, darf man später auch ernten.

Der zweite 2m+-Walli der Tour entschädigte für die fischlose zweite Nacht. Folglich stand am nächsten Tag ein Platzwechsel an.  Auf der neuen Stelle veränderten wir nun auch die Montagen. Genauer gesagt, die Vorfächer. Das „Doppeldecker-Rig“ sollte es nun richten. An die zwei Einzelhaken, die übereinander am Monovorfach fixiert wurden, kam jeweils ein Köderfisch. Die zwei Verführer an einem Vorfach sollten dafür sorgen, dass die Welse unserem Köder mehr Beachtung schenken. Aufgrund der Oberflächenaktivität waren in der vergangenen Nacht nämlich genügend Waller aktiv. Unsere kleinen Köderfische wurden aber links liegen gelassen. Das konnten wir so natürlich nicht akzeptieren. Sollte unser Plan mit dem „Doppeldecker-Rig“ aufgehen?

Der erste Waller auf dem neuen Platz sprengte die 2-Marke schon wieder. Was für eine Session. Weitere Fische versüßten uns den Kurztrip komplett. Auch wenn wir am letzten Tag nur noch Alternativköder hatten und diese von den Welsen verschmäht wurden, konnten wir mit einem richtig guten Gefühl die Heimreise antreten.

In diesem Trip testeten wir die Muster der Pro-Cat short and soft nochmals auf Biegen und Brechen. Die Entwicklungsstufe hatte ihre Endphase erreicht. Mit dem Blank war ich jetzt richtig zufrieden. Daneben musste sich auch die Hulk Line in der Endversion beweisen. Noch war sie gelb. Auch sie überzeugte uns restlos. Man bekam sie, trotz dem nicht ganz so dünnen Durchmesser, sehr gut aus dem Wasser gespannt. Dreck nahm sie ebenfalls keinen auf. So soll praxisnahe Produktentwicklung aussehen.

Ich hoffe, ich konnte mit diesem kleinen Bericht einige dazu ermuntern, auch mal an kleinere, eher unscheinbar wirkende Gewässer zu fahren. Wer noch mehr Details und zu unserer Session erfahren möchte, der sollte unseren Youtube-Kanal www.youtube.com/CarstenZeck besuchen. In der Videoreihe gebe ich auch etliche zu Tipps zum Hochwasserangeln in kleinen Flüssen. Außerdem seid ihr dort bei den vielen Drills quasi live dabei.

Euer Carsten