Endlich hab' ich dich

26.08.2012 - von Carsten Zeck - 

aller Anfang ist schwer - so eine Unternehmensgründung ist gar nicht so einfach, wie sich das viele vorstellen. Wir sind mit der Zeck Fishing GmbH aber gut im Rennen und wenn alles so weiter geht, sollte einem Verkaufsstart zur Wallermesse im Dezember nichts im Wege stehen. Wenn es gut läuft, wird unser Katalog bereits im Oktober in den Läden zu finden sein. Klar könnten wir ihn auch jetzt schon fertigen. Allerdings gefällt mir die Anmerkung "Farb- und technische Änderungen vorbehalten", die in den meisten Angelgerätekatalogen zu finden ist, überhaupt nicht. Unser Zeug muss sich am Wasser beweisen. Ein erstes Muster, das (wenn überhaupt) nur im Büro begutachtet wird, sagt in meinen Augen nichts aus.

Doch nun zum eigentlichen Thema: Da ich es mir momentan nicht leisten kann, längere Zeit am Wasser zu verbringen, müssen One-Night-Stands und Kurztrips zur Befriedigung der Sucht ausreichen. Da ich auf diese Art und Weise viele verschiedene Gewässer im In- und Ausland befische, ist das aber für die Testphase der Produkte mit Sicherheit nicht die schlechteste Variante.

Am Freitag hat mich mein alter Freund Philipp angerufen und gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm und dem jüngeren Bruder seiner Freundin, eine Nacht zu fischen. Er wollte es auf Karpfen versuchen und sein Namensvetter (sein 16 jähriger, eventuell zukünftiger Schwager) wollte unbedingt mal einen Waller sehen. "Wie, er hat noch nie einen Waller gesehen?", war meine Antwort. Na das mussten wir ändern!

Ich kannte einen schnuckeligen Abschnitt, in dem ich noch eine Rechnung offen hatte. Vor kurzem verbrachte ich dort ebenfalls ein Nacht mit Thommy. Das leidige Thema mit den passenden Köderfischen war da unser größtes Problem. An diesem heimatnahen Gewässer haben die Welse einfach nicht die größten Köpfe. Dazu kommt noch die Tatsache, dass die Fehlbissquote im Sommer besonders hoch ist. Ich hasse diese träge Spielereien mit dem Köder. Eine dünnere Reißleine und der Einsatz eines zusätzlichen Drillings helfen auch nur bedingt. Jetzt haben wir schon mal zwei Gründe, warum dicke Brassen in diesem Gewässer nicht gerade der Renner sind. Bereits einige Ansitze davor, bekam ich das, als es an einem Tag regelrecht Fehlbisse "hagelte" und kein Walli hängen blieb, bitter zu spüren. Und was war an diesem Abend? ...der erste Fisch hing sofort! Trotz "Klodeckel-Köder" und obwohl es nur ein kleinerer Bursche von 120cm war. Morgens kam dann ein richtiger Einschlag und das Pro-Cat-Muster peitschte regelrecht nach vorne. Ich schlug an, hatte sofort heftigen Widerstand - und flog einige Sekunden später nach hinten, um auf der Liege von Thommy zu landen. Ausgestiegen ...so eine Mist! Das war bereits der dritte Großfisch, der mir auf diesem Abschnitt innerhalb von drei Trips ausstieg. Das gibt es doch nicht. Naja, wir freuten uns über den ersten Wels und ich schwor mir, bald wieder hierhin kommen.  

Zurück zu diesem Wochenende. Die beide Philipps und ich verabredeten uns für Samstagmittag, 15 Uhr - eigentlich...

Irgendwie ging vorgestern aber so einiges schief: Ich kam viel zu spät aus meinem Büro heraus, pünktlich zur Abfahrt setzte heftiges Regenwetter ein und die Köderbeschaffung hat auch etwas länger gedauert. Als die Fallen am späten Abend aber endlich scharf waren und sich die erste, grüne Pro-Cat-Musterrute auf einmal so richtig verneigte, zählte das alles nicht mehr. Ich wusste nicht, ob es in diesem kleinen Gewässerabschnitt überhaupt 2m-Fische gibt. Die Wallerjagd auf dieser Strecke gestaltete sich für mich aus diesem Grund auch umso interessanter. Ich hasse ausgelutschte Pfade und die Erkundung neuer "Ecken" zählt für mich manchmal mehr, als das reine Fangergebnis. Nach den letzten negativen Erlebnissen, die ich hier zu meinem Leidwesen sammelte, wünschte ich mir aber trotzdem nichts mehr, als einen Großfisch. Sollte ich dieses Mal die Oberhand behalten?
Nach dem Biss ging es sofort ab. So viel Schnur bekam bei mir schon lange kein Wels mehr. Auch auf dem Schlauchboot wurde es nicht besser. Der Walli zog uns ständig in die überhängende Ufervegetation. Ich war mir von Anfang an ziemlich sicher, dass da ein Fisch von über zwei Metern am anderen Ende der Schnur tobte. Bitte nicht ausschlitzen, bitte nicht irgendwo festsetzen. Ihr glaubt gar nicht, wie sehnlich ich mir diesen Fisch wünschte. Und soll ich euch was sagen: Es hat geklappt - und die 2m-Marke fiel ebenfalls. Da durfte ein Freudenschrei nicht fehlen!  

Nun konnte ich an insgesamt 8 verschiedenen Gewässern in Frankreich bereits die 2m-Marke knacken. Dieser One-Night-Stand hat sich mal so richtig gelohnt.

Auch Philipp kam auf sein Kosten. Den ersten Wels, den er gesehen hatte, war gleich ein Big One. Nach dem Fang des Streckenrekordes war es doch völlig klar, dass ich ihm den nächsten Fisch überließ. Einig Zeit später, stand auch er mit einer krummen Rute da. Sein Lächeln hat mir fast genauso viel bedeutet, wie der Fang des großen Wallis - mission completed!

Wenn die Zeit fehlt, können einem auch solche spontanen Kurzsessions ein kräftiges Lächeln ins Gesicht zaubern. Natürlich ist in den meisten kleineren, heimatnahen Gewässern nicht mit 100 Kilo-Giganten zu rechnen. Aber ich finde, dass auch Welse von 150cm, große Fische sind. Wenn das Maßband dann wirklich einmal mehr als 200cm Länge anzeigen sollte, darf man sich auf alle Fälle megamäßig freuen. Man sollte diese permanenten "Schwanzvergleiche" in den Medien nicht immer als Referenz ansehen. Wallerfischen ist viel mehr. Der Trend geht langsam in die richtige Richtung und wir von Zeck Fishing freuen uns, dass wir unseren Teil dazu beitragen können.

Viele Grüße
Euer Carsten